Pecunia

 

Das Geld steht im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens – wie die Hingabe von Waren, das Verrichten von Arbeit, die Ausführung von Aufträgen oder auch das Bereitstellen von Krediten – werden mit Geld abgegolten. Und die meisten wirtschaftlichen Leistungen sind auf den Erwerb von Geld oder das Erlangen von Ansprüchen auf Geld abgestellt. Wer über Geld verfügt, kann im Rahmen der jeweils bestehenden Wirtschaftsordnung von anderen Güter und Leistungen erwerben.

 Dieser Rahmen kann sehr weit gesteckt sein – man spricht dann von freier Wirtschaft – , so daß nahezu alle Güter und Leistungen für Geld zu erlangen sind. Er kann aber auch durch Kontrollen und Reglementierungen – besonders in planwirtschaftlich gelenkten Wirtschaftssystemen – enger gefasst sein. Hier genügt dann nicht mehr die Verfügung von Geld allein, um bestimmte Güter und Leistungen zu erlangen, sondern müssen daneben noch Genehmigungen der Kontroll- oder Lenkungsstellen für den Erwerb der Güter oder die Inanspruchnahmen der Leistung vorhanden sein.

Aber auch im Bereich kontrollierten und gelenkten Wirtschaftens spielt das Geld eine wichtige Rolle. Selbst im Wirtschaftssystem der Sowjetunion oder China ist nicht nur für   den einzelnen Verbraucher, soweit der Verbrauchsspielraum offen gehalten wird, die Verfügung über Geld zur Deckung seines Bedarfs an Gütern und Dienstleistungen entscheidend, sondern auch die Betriebe brauchen Geld für die Abgeltung der Arbeitsleistungen, die Anschaffung von Rohstoffen und über die Inanspruchnahme von Krediten. Soweit sie nicht selbst das Geld zur Verfügung haben, wird es ihnen – meist im Kreditwege – zugewiesen. Der Umfang ihrer Ausgaben und Einnahmen und damit ihre Ertragsbedingungen hängen zwar weitgehend, und häufig weit mehr als von den eigenen Leistungen, von staatlichen Lenkungsmaßnahmen ab. Doch die Rechnung der Betriebsführung und auch die Wirtschaftsplanung erfolgt in Geldwerten. So übt das Geld auch hier eine wichtige Funktion aus.

Aber welche Bedeutung hat das Geld für den Wirtschaftsablauf? Spielt es eine mehr passive Rolle oder gehen von ihm aktive Wirkungen aus? Kann man, wie einst David Hume, sagen, „daß Geld weiter nichts ist als der Stellvertreter von Waren und bloß ein Mittel abgibt, zu schätzen und zu vergleichen“? Zuvor meinte er noch: “Es ist Öl, welches die Bewegung der Räder sanfter und williger macht.“ Für Adam Smith ist Geld „das große Schwungrad im Wirtschaftskreislauf und wichtigste Hilfsmittel im  Handel“ (the great wheel of circulation, the grat instrument of commerce). Später wurden die Einwirkungen, die vom Geld ausgehen oder mit ihm ausgeübt werden können, immer höher eingeschätzt.

So erklärt, um ein Beispiel anzuführen, John R. Hicks in seinem Werk „Value and Capital“ – im Anschluss an seine Darstellung der Theorie des Schweden Knut Wicksell, der den Zinsbewegungen einen entscheidenden Einfluss auf die Konjunkturbewegungen zumisst –„Mit der Kontrolle des Geldwesens ist alles zu erreichen“ (monetary control can do everything).

Gegenwärtig ist wohl niemand mehr der Auffassung, die früher in Lehrbüchern der Nationalökonomie vertreten wurde, daß die Vorgänge im Geldwesen lediglich Oberflächenerscheinungen sind der tieferliegenden, bedeutsamen wirtschaftlichen Vorgänge seien und daß man, um diese richtig zu erkennen, durch den „Geldschleier“ hindurchschauen müsse, der das Bild nur undeutlich mache oder es gar verzerre. Richtig ist, daß die Untersuchung und Beurteilung wirtschaftlicher Vorgänge sich nicht auf wirtschaftliche Größen, wie sie in den jeweiligen Tagespreisen zum Ausdruck kommen, stützen kann, sondern daß man die Verschiebungen und Verzerrungen, die sich aus Preisveränderungen ergeben, berücksichtigen und ausschließen muss. Bei Preisänderungen spielen aber Vorgänge im Geldwesen mit, und oft sind sie ein Ausdruck ihrer Einwirkungen. Doch ebenso wenig, wie man dies außer Acht lassen kann, darf man die Rolle des Geldes überschätzen, so wie es bei Hicks zum Ausdruck gekommen ist und von vielen anderen Geldtheoretiker, besonders den „Monetaristen“ der Schule Milton Friedmans angenommen wird. Diese Überschätzung führt dazu, daß bei der Untersuchung wirtschaftlicher Zusammenhänge die Vorgänge im Geldwesen zu einseitig gesehen und zu sehr in den Vordergrund gerückt werden, so daß infolge dessen nicht hinreichend beachtet wird, welche Kräfte unabhängig vom Geldwesen wirken und ihrerseits auf das Geldwesen Einfluss ausüben und nicht selten entscheidend beeinflussen.

Geld ist mehr als nur ein Vergleichsmaßstab, auch mehr als nur ein Mittel, das den Wirtschaftsablauf glatter vonstatten gehen lässt. Es stellt, wie Adam Smith sagt, ein Schwungrad – ein Schwungrad dar, das die Wirtschaft in Bewegung hält, die Bewegung beschleunigen, aber auch verlangsamen kann. Doch ein Schwungrad bewegt sich nicht mit eigener Kraft; es braucht einen Antrieb. Der Vergleich ist deshalb gerade so treffend, weil auch hinter den Bewegungen im Geldwesen andere Kräfte stehen. Antriebskräfte oder auch Bremskräfte, die über das Geld in andere Bereiche des Wirtschaftsablaufes antreibend oder hemmend ein wirken.

Es ergeben sich Wechselwirkungen, die allerdings mannigfaltiger und vielschichtiger sind, als es mit dem einfachen Beispiel vom Schwungrad zum Ausdruck kommt. Sie sind so verwickelt, daß sie häufig in ihrer Gesamtheit gar nicht zu überschauen und zu erklären sind. Meist können nur Teilvorgänge untersucht und gedeutet werden. Das macht die Erklärung der Zusammenhänge zwischen den Geldwesen und der übrigen Wirtschaft so schwierig, zumal es häufig vom Blickwinkel des Betrachters, was er sieht und zu welchen Erkenntnissen er dadurch gelangt. Betrachtet er die Abläufe vom Geldwesen aus, so erblickt er die Wirkungen, die von dort auf die übrige Wirtschaft ausgehen. Von anderem Blickwinkel aus würde er zu anderen Einsichten gelangen, würden ihm die Vorgänge im Geldwesen in ihrer Abhängigkeit von anderen Faktoren erscheinen.

Die Verschiedenheit der Blickwinkel, der Betrachtungsweise ist vielleicht die wichtigste Ursache dafür, daß in der Geldtheorie und in den Auseinandersetzungen zwischen Praktikern des Geld- und Kreditwesens sowie unter Wirtschaftspolitikern sich immer wieder entgegengesetzten Meinungen gegenüberstehen, zwischen denen es keine Einigung zu geben scheint. Oft gewinnt man den Eindruck, es handle sich nicht um unterschiedliche Theorien und Auffassungen, sondern um Glaubensbekenntnisse, deren Anhänger sich durch nichts irremachen lassen.

Unterschiedliche Ausgangspunkte der Betrachtung haben auch mitgespielt und spielen weiter mit bei dem Streit darum, was als „Geld“ anzusehen ist. Zunächst ging der Streit darum, ob nur geprägtes Edelmetall, die Gold- und Silbermünzen, wirklich Geld seien, oder ob auch Banknoten als Geld gewertet werden können. Dann kam es zu Auseinandersetzungen darüber, ob Schecks und Bankguthaben in dem Geldbegriff einbezogen werden können. Auch heute noch bestehen in geldtheoretischen Betrachtungen und ebenso sehr oder sogar noch stärker in der Geld- und Kreditpolitik unterschiedliche Auffassungen darüber, was Geld ist und was zur „Geldmenge“ gerechnet werden soll.

Es ist üblich geworden zu unterscheiden zwischen einer Geldmenge im engeren Sinne, M1 genannt, und der Geldmenge im weiteren Sinne, M2. Bargeld und die Sichteinlagen, also jederzeit verfügbare Einlagen, sind M1, also Geldmenge im engeren Sinne. Termineinlagen mit einer Befristung bis zu vier Jahren werden als „Quasi-Geld“ betrachtet. Im angelsächsischen Sprachgebrauch wird von Near-Money, Beinahe-Geld gesprochen. Die Summe von Geld im engeren Sinn, M2.

Doch viele Geldtheoretiker und Kreditpolitiker sind der Auffassung, daß auch Spareinlagen und sonstige Guthaben bei Kreditinstituten zum Geld hinzugerechnet werden müssen, sie bilden dementsprechend eine erweiterte Geldmenge M3. Wenn man darüber hinaus alles, was die Geldfunktion als Mittel zur Ausübung von Nachfrage erfüllen kann, hinzurechnen will, zum Beispiel kurzfristig veräußerbare Wertpapiere oder Forderungen gegen Dritte, die abgetreten werden oder zur Erlangung von Bankguthaben hinterlegt werden können, dann wird der Begriff „Geld“ immer unbestimmter und die „Geldmenge“ schließlich unübersehbar oder unbegrenzt. Die Zentralbank der Vereinigten Staaten (Federal Reserve Board) hat Anfang des Jahres 1980 mit neuen, stärker aufgegliederten Geldmengenberechnungen begonnen, ohne damit aber eine wirklich befriedigende Lösung gefunden zu haben.

Was „Geld“ ist, lässt sich überhaupt nicht objektiv feststellen, etwa so wie ein Chemiker die Bestandteile einer Verbindung analysieren kann. Was jeweils als Geld angesehen wird, hängt von der Betrachtungsweise ab, von der Definition. Wer Geld als das gesetzliche Zahlungsmittel betrachtet, für den sind auch heute ausschließlich Banknoten „Geld“, während vordem in dieser Betrachtungsweise die geprägten Münzen „Geld“ waren. Wer aber alles als Geld ansieht, womit „Kaufkraft“ oder „Kaufmacht“ oder Nachfrage ausgeübt werden kann, für den erweitert sich der Begriff „Geld“ über das gesetzliche Zahlungsmittel hinaus: zunächst auf alles, womit gesetzliche Zahlungsmittel sofort erlangt werden können, also auf Sichteinlagen bei Banken und Sparkassen, dann aber auch auf andere Arten von Forderungen, mit denen Zahlungsmittel beschafft werden können oder mit denen, auch ohne daß der Weg über eine solche Beschaffung eingeschlagen wird, unmittelbar Nachfrage ausgeübt werden kann.

Der Geldbegriff verliert damit seine festen Konturen und wird schwankend. Denn mit den Veränderungen der Wirtschaftslage ändert sich die Verfügbarkeit und Verwertbarkeit von Guthaben, Forderungen und anderen Werten. So sind zu manchen Zeiten Rückgriffe auf Termineinlagen bei Kreditinstituten ohne weiteres möglich – das Kreditinstitut gibt entweder das Guthaben gegen Abrechnung der sonst anfallenden Zinsgutschrift vor dem Fälligkeitstermin frei oder gewährt einen Kredit mit dem Terminguthaben als Sicherheit -; zu anderen Zeiten können sich die Kreditinstitute aber dagegen sträuben und auf Einhaltung der Termine bestehen. Das Abtreten von Forderungen ist zeitweilig leicht, zeitweilig aber auch sehr schwer und manchmal nicht möglich. Ähnliches gilt für die Veräußerung von Wertpapieren oder ihren unmittelbaren Einsatz zur Ausübung von Nachfrage. Dann ist es nicht mehr alleine eine Frage der Betrachtungsweise und der Definition, was als Geld in seiner Kaufkraftfunktion angesehen wird, sondern es hängt auch von der jeweiligen Wirtschaftslage ab, welches Quasi-Geld oder Geldsubstitut die Funktion des Geldes in der Nachfrage nach Gütern und Leistungen ausüben – und wieweit es ausüben – kann.

Das Geld hat neben seiner Funktion als Zahlungsmittel und als Tauschmittel für den Erwerb von Waren und Leistungen noch andere Funktionen. In nationalökonomischen Lehrbüchern wird diese Funktion meist zusammengefasst mit der Funktion als Mittel zur Übertragung von Vermögenswerten. Einige Theoretiker, so vor allem Karl Helferich, unterscheiden zwischen der Funktion als Zahlungsmittel und Tauschmittel. Daneben hat das Geld Funktionen als Rechnungsmittel und als Wertaufbewahrungsmittel. Wilhelm Gerloff hebt weiter die Funktion des Geldes als „soziales Geltungsmittel“ hervor.

Lange Zeit hatte man sich daran gewöhnt, diese verschiedenen Funktionen durch ein einziges Geld ausgeübt zu sehen. Bei der Tauschmittelfunktion wurde meist keinen Unterschied zwischen dem gesetzlichen und dem gebräuchlichen Tauschmittel gemacht, weil das gesetzliche auch das gebräuchliche war. Es werden bei der Betrachtung der Tauschmittelfunktion des Geldes meist auch Vermögensübertragungen den Umsätzen im Warenhandel gleichgestellt. Das Tauschmittel diente zugleich als Rechnungseinheit, weil mit ihm ja die Preise ausgedrückt werden und alles wirtschaftliche Rechnen in Preisen vorgenommen wurde. Wer das Tauschmittel aufbewahrte, bewahrte damit ein Mittel, mit dem er sich zu jeder Zeit andere Werte beschaffen konnte. Er sicherte sich damit, worauf in der neueren Theorie stärker hingewiesen wurde, Liquidität.

Nun werden aber die verschiedenen Funktionen keineswegs immer und überall von einem einzigen Gelde ausgeübt. Und die Inflationen der jüngsten Zeit, die beiden großen Inflationen nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die anhaltende inflatorische Entwicklung seit den sechziger Jahren, lehren wieder, wie diese Funktionen auseinanderfallen können, wie das gesetzliche Geld schließlich fast ganz funktionsunfähig werden kann und seine Funktionen dann auf ein anderes „Geld“ übergehen.

Wenn die Annahme der Sprachforscher zutrifft und das lateinische Wort für Geld „pecunia“ von „pecus“, auf Deutsch „Vieh“, zurückgeht, so zeigt dies, daß bei den alten Römern Rechnungseinheit und Tauschmittel nicht zusammenfielen. Das Vieh, gemeint war damit das Rind, war bei ihnen wie auch bei den Germanen und bis in die neueste Zeit hinein bei vielen afrikanischen Stämmen eine Rechnungseinheit, mit der Vermögen und auch Opfergaben eingeschätzt, „berechnet“ wurden.  Aber das Vieh war kein übliches Tauschmittel; dafür dienen andere Güter. Nur bei bestimmten Anlässen war Vieh ein „Zahlungsmittel“; bei Bußen für schwere Verbrechen, bei Vermögensübertragungen, wie vor allem Mitgift oder beim Brautkauf.

In Zeiten der Münzvielfalt und der Münzverschlechterung bildet das umlaufende Geld keine brauchbare Recheneinheit mehr. Die Wirtschaft benutzt dann anderer Recheneinheiten. Die bekanntesten in der Wirtschaftsgeschichte sind die Banco-Einheiten, mit denen seit Anfang des siebzehnten Jahrhunderts oberitalienische, niederländische und deutsche Banken rechneten und Umsätze abwickelten, So rechnete die 1619 gegründete Hamburger Girobank mit „Banco-Mark“ als den Gegenwert einer bestimmten Menge Feinsilber, ohne daß jemals eine solche Banco-Mark ausgeprägt worden wäre. Die Bank nahm als Einlagen zunächst andere Goldmünzen, später Barrensilber entgegen und rechnete ihren Wert auf Banco-Mark um und verfuhr entsprechend bei Auszahlungen. Es ergab sich dann, daß Kaufleute bei ihren Kalkulationen gleichfalls mit Banco-Mark rechneten und auch Verträge auf diese Rechnungseinheiten abstellten.

In der ersten deutschen Inflation 1923, als die gesetzliche Währung, die Mark, täglich und zuletzt stündlich ihren Wert änderte, gebrauchte die Wirtschaft andere Recheneinheiten. Es wurde zum Teil mit Fremdwährungen gerechnet; vor allem mit dem englischen Pfund und dem US-Dollar; in landwirtschaftlichen Gegenden rechnete man mit der „Roggenmark“; schließlich wurde die „Goldmark“, die nach dem jeweiligen Dollarkurs über die alte Parität 4,20 DM für einen Dollar errechnet wird zur gebräuchlichen Recheneinheit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland das gesetzliche Zahlungsmittel nur noch in beschränktem Umfange verwendet, hauptsächlich auf dem Markt für reglementierte Güter, auf dem gegen Marken oder Bezugsscheinen Waren zu amtlich festgesetzten Preisen zu liefern und zu kaufen waren. Daneben entstanden die Verbrauchermärkte, „schwarze“, verbotene und „graue“, nicht erlaubte aber nicht strikt verbotenen Märkte, auf der sich eine eigene „Währung“, die „Zigaretten-Währung“, herausbildete. Die Zigarette, als einzelne Zigarette für die kleinsten Umsätze oder die „Stange“ Zigaretten, die Sammelpackung von zehn Schachteln zu je zwanzig Zigaretten, wurde als Tauschmittel verwendet; sie war in noch weit größerem Umfange Recheneinheit für Umsätze, bei denen Ware gegen Ware getauscht wurde. Im Warenverkehr zwischen Unternehmen wurde außerhalb des reglementierten Bereichs fast nur Ware gegen Ware getauscht. Als Recheneinheit fungierten dabei Reichsmark-Preise und Dollarpreise, ohne daß aber Zahlungen in diesen Währungen erfolgten.

Im Zuge der inflatorischen Entwicklung der sechziger und siebziger Jahre, in denen der Dollar, der nach dem Zweiten Weltkrieg zur Leitwährung des Weltwährungssystem geworden war, durch Preissteigerungen Wert einbüßte und auch gegenüber anderen Währungen im Kurs sank, sind im internationalen Zahlungsverkehr neue Rechnungseinheiten zur Anwendung gebracht worden. wie vor allem der Kurs des Sonderziehungsrechts des Internationalen Währungs-Fond, der ursprünglich auf einen amtlichen Goldpreis abgestellt war, dann aber als Durchschnittskurs einer Gruppe der wichtigsten internationalen Währungskurse errechnet wurde.

Mit den Wertminderungen des Währungsgeldes ist auch seine Funktion Wertaufbewahrung eingeschränkt. Nun hat Geld im engeren Sinne diese Funktion nur in früheren Zeiten in größeren Umfange ausgeübt, als tatsächlich Geld in erheblichen Mengen zurückgelegt, gehortet wurde. Mit der Entwicklung des Kreditwesens und des Kapitalverkehrs wurden anderen Formen der Rücklage und Anlage bevorzugt, von denen nur Teile in einem sehr weiten Sinn als Geld angesehen werden können. Daneben spielt jedoch die Geldrücklage als Vorsorge für die „Liquidität“, die Sicherung der Zahlungsbereitschaft, eine wichtige Rolle.

Wie immer die Funktionen des Geldes betrachtet und gewertet werden, sie sind nicht für alle Zeiten und alle Bedingungen unabänderlich gegeben, sondern sie wandeln sich in ihrer Wirkungsweise und ihrer Verbindung mit verschiedenen „Geld“-Formen, wenn sich Veränderungen im Wirtschaftsablauf einstellen. Geld und Geldfunktionen stehen mit der gesamten Wirtschaft, ja dem gesamten gesellschaftlichen Dasein in einem „einheitlichen Ineinander“, um einen Ausdruck Georg Simmels zu gebrauchen, den er allerdings in einem anderen Zusammenhang verwendet.

Das Geld und die Vorgänge im Geldwesen lassen sich nur in ihrem Zusammenhang, ihrer Verknüpfung mit der Gesamtheit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgänge verstehen. Oft gehen vom Gelde starke Einwirkungen auf andere Vorgänge aus. Aber ebenso oft oder noch häufiger kommen im Geldwesen nur die Wirkungen anderer, stärkerer Kräfte zum Ausdruck.             

Dieser Rahmen kann sehr weit gesteckt sein – man spricht dann von freier Wirtschaft – , so daß nahezu alle Güter und Leistungen für Geld zu erlangen sind. Er kann aber auch durch Kontrollen und Reglementierungen – besonders in planwirtschaftlich gelenkten Wirtschaftssystemen – enger gefasst sein. Hier genügt dann nicht mehr die Verfügung von Geld allein, um bestimmte Güter und Leistungen zu erlangen, sondern müssen daneben noch Genehmigungen der Kontroll- oder Lenkungsstellen für den Erwerb der Güter oder die Inanspruchnahmen der Leistung vorhanden sein.

Aber auch im Bereich kontrollierten und gelenkten Wirtschaftens spielt das Geld eine wichtige Rolle. Selbst im Wirtschaftssystem der Sowjetunion oder China ist nicht nur für   den einzelnen Verbraucher, soweit der Verbrauchsspielraum offen gehalten wird, die Verfügung über Geld zur Deckung seines Bedarfs an Gütern und Dienstleistungen entscheidend, sondern auch die Betriebe brauchen Geld für die Abgeltung der Arbeitsleistungen, die Anschaffung von Rohstoffen und über die Inanspruchnahme von Krediten. Soweit sie nicht selbst das Geld zur Verfügung haben, wird es ihnen – meist im Kreditwege – zugewiesen. Der Umfang ihrer Ausgaben und Einnahmen und damit ihre Ertragsbedingungen hängen zwar weitgehend, und häufig weit mehr als von den eigenen Leistungen, von staatlichen Lenkungsmaßnahmen ab. Doch die Rechnung der Betriebsführung und auch die Wirtschaftsplanung erfolgt in Geldwerten. So übt das Geld auch hier eine wichtige Funktion aus.

Aber welche Bedeutung hat das Geld für den Wirtschaftsablauf? Spielt es eine mehr passive Rolle oder gehen von ihm aktive Wirkungen aus? Kann man, wie einst David Hume, sagen, „daß Geld weiter nichts ist als der Stellvertreter von Waren und bloß ein Mittel abgibt, zu schätzen und zu vergleichen“? Zuvor meinte er noch: “Es ist Öl, welches die Bewegung der Räder sanfter und williger macht.“ Für Adam Smith ist Geld „das große Schwungrad im Wirtschaftskreislauf und wichtigste Hilfsmittel im  Handel“ (the great wheel of circulation, the grat instrument of commerce). Später wurden die Einwirkungen, die vom Geld ausgehen oder mit ihm ausgeübt werden können, immer höher eingeschätzt.

So erklärt, um ein Beispiel anzuführen, John R. Hicks in seinem Werk „Value and Capital“ – im Anschluss an seine Darstellung der Theorie des Schweden Knut Wicksell, der den Zinsbewegungen einen entscheidenden Einfluss auf die Konjunkturbewegungen zumisst –„Mit der Kontrolle des Geldwesens ist alles zu erreichen“ (monetary control can do everything).

Gegenwärtig ist wohl niemand mehr der Auffassung, die früher in Lehrbüchern der Nationalökonomie vertreten wurde, daß die Vorgänge im Geldwesen lediglich Oberflächenerscheinungen sind der tieferliegenden, bedeutsamen wirtschaftlichen Vorgänge seien und daß man, um diese richtig zu erkennen, durch den „Geldschleier“ hindurchschauen müsse, der das Bild nur undeutlich mache oder es gar verzerre. Richtig ist, daß die Untersuchung und Beurteilung wirtschaftlicher Vorgänge sich nicht auf wirtschaftliche Größen, wie sie in den jeweiligen Tagespreisen zum Ausdruck kommen, stützen kann, sondern daß man die Verschiebungen und Verzerrungen, die sich aus Preisveränderungen ergeben, berücksichtigen und ausschließen muss. Bei Preisänderungen spielen aber Vorgänge im Geldwesen mit, und oft sind sie ein Ausdruck ihrer Einwirkungen. Doch ebenso wenig, wie man dies außer Acht lassen kann, darf man die Rolle des Geldes überschätzen, so wie es bei Hicks zum Ausdruck gekommen ist und von vielen anderen Geldtheoretiker, besonders den „Monetaristen“ der Schule Milton Friedmans angenommen wird. Diese Überschätzung führt dazu, daß bei der Untersuchung wirtschaftlicher Zusammenhänge die Vorgänge im Geldwesen zu einseitig gesehen und zu sehr in den Vordergrund gerückt werden, so daß infolge dessen nicht hinreichend beachtet wird, welche Kräfte unabhängig vom Geldwesen wirken und ihrerseits auf das Geldwesen Einfluss ausüben und nicht selten entscheidend beeinflussen.

Geld ist mehr als nur ein Vergleichsmaßstab, auch mehr als nur ein Mittel, das den Wirtschaftsablauf glatter vonstatten gehen lässt. Es stellt, wie Adam Smith sagt, ein Schwungrad – ein Schwungrad dar, das die Wirtschaft in Bewegung hält, die Bewegung beschleunigen, aber auch verlangsamen kann. Doch ein Schwungrad bewegt sich nicht mit eigener Kraft; es braucht einen Antrieb. Der Vergleich ist deshalb gerade so treffend, weil auch hinter den Bewegungen im Geldwesen andere Kräfte stehen. Antriebskräfte oder auch Bremskräfte, die über das Geld in andere Bereiche des Wirtschaftsablaufes antreibend oder hemmend ein wirken.

Es ergeben sich Wechselwirkungen, die allerdings mannigfaltiger und vielschichtiger sind, als es mit dem einfachen Beispiel vom Schwungrad zum Ausdruck kommt. Sie sind so verwickelt, daß sie häufig in ihrer Gesamtheit gar nicht zu überschauen und zu erklären sind. Meist können nur Teilvorgänge untersucht und gedeutet werden. Das macht die Erklärung der Zusammenhänge zwischen den Geldwesen und der übrigen Wirtschaft so schwierig, zumal es häufig vom Blickwinkel des Betrachters, was er sieht und zu welchen Erkenntnissen er dadurch gelangt. Betrachtet er die Abläufe vom Geldwesen aus, so erblickt er die Wirkungen, die von dort auf die übrige Wirtschaft ausgehen. Von anderem Blickwinkel aus würde er zu anderen Einsichten gelangen, würden ihm die Vorgänge im Geldwesen in ihrer Abhängigkeit von anderen Faktoren erscheinen.

Die Verschiedenheit der Blickwinkel, der Betrachtungsweise ist vielleicht die wichtigste Ursache dafür, daß in der Geldtheorie und in den Auseinandersetzungen zwischen Praktikern des Geld- und Kreditwesens sowie unter Wirtschaftspolitikern sich immer wieder entgegengesetzten Meinungen gegenüberstehen, zwischen denen es keine Einigung zu geben scheint. Oft gewinnt man den Eindruck, es handle sich nicht um unterschiedliche Theorien und Auffassungen, sondern um Glaubensbekenntnisse, deren Anhänger sich durch nichts irremachen lassen.

Unterschiedliche Ausgangspunkte der Betrachtung haben auch mitgespielt und spielen weiter mit bei dem Streit darum, was als „Geld“ anzusehen ist. Zunächst ging der Streit darum, ob nur geprägtes Edelmetall, die Gold- und Silbermünzen, wirklich Geld seien, oder ob auch Banknoten als Geld gewertet werden können. Dann kam es zu Auseinandersetzungen darüber, ob Schecks und Bankguthaben in dem Geldbegriff einbezogen werden können. Auch heute noch bestehen in geldtheoretischen Betrachtungen und ebenso sehr oder sogar noch stärker in der Geld- und Kreditpolitik unterschiedliche Auffassungen darüber, was Geld ist und was zur „Geldmenge“ gerechnet werden soll.

Es ist üblich geworden zu unterscheiden zwischen einer Geldmenge im engeren Sinne, M1 genannt, und der Geldmenge im weiteren Sinne, M2. Bargeld und die Sichteinlagen, also jederzeit verfügbare Einlagen, sind M1, also Geldmenge im engeren Sinne. Termineinlagen mit einer Befristung bis zu vier Jahren werden als „Quasi-Geld“ betrachtet. Im angelsächsischen Sprachgebrauch wird von Near-Money, Beinahe-Geld gesprochen. Die Summe von Geld im engeren Sinn, M2.

Doch viele Geldtheoretiker und Kreditpolitiker sind der Auffassung, daß auch Spareinlagen und sonstige Guthaben bei Kreditinstituten zum Geld hinzugerechnet werden müssen, sie bilden dementsprechend eine erweiterte Geldmenge M3. Wenn man darüber hinaus alles, was die Geldfunktion als Mittel zur Ausübung von Nachfrage erfüllen kann, hinzurechnen will, zum Beispiel kurzfristig veräußerbare Wertpapiere oder Forderungen gegen Dritte, die abgetreten werden oder zur Erlangung von Bankguthaben hinterlegt werden können, dann wird der Begriff „Geld“ immer unbestimmter und die „Geldmenge“ schließlich unübersehbar oder unbegrenzt. Die Zentralbank der Vereinigten Staaten (Federal Reserve Board) hat Anfang des Jahres 1980 mit neuen, stärker aufgegliederten Geldmengenberechnungen begonnen, ohne damit aber eine wirklich befriedigende Lösung gefunden zu haben.

Was „Geld“ ist, lässt sich überhaupt nicht objektiv feststellen, etwa so wie ein Chemiker die Bestandteile einer Verbindung analysieren kann. Was jeweils als Geld angesehen wird, hängt von der Betrachtungsweise ab, von der Definition. Wer Geld als das gesetzliche Zahlungsmittel betrachtet, für den sind auch heute ausschließlich Banknoten „Geld“, während vordem in dieser Betrachtungsweise die geprägten Münzen „Geld“ waren. Wer aber alles als Geld ansieht, womit „Kaufkraft“ oder „Kaufmacht“ oder Nachfrage ausgeübt werden kann, für den erweitert sich der Begriff „Geld“ über das gesetzliche Zahlungsmittel hinaus: zunächst auf alles, womit gesetzliche Zahlungsmittel sofort erlangt werden können, also auf Sichteinlagen bei Banken und Sparkassen, dann aber auch auf andere Arten von Forderungen, mit denen Zahlungsmittel beschafft werden können oder mit denen, auch ohne daß der Weg über eine solche Beschaffung eingeschlagen wird, unmittelbar Nachfrage ausgeübt werden kann.

Der Geldbegriff verliert damit seine festen Konturen und wird schwankend. Denn mit den Veränderungen der Wirtschaftslage ändert sich die Verfügbarkeit und Verwertbarkeit von Guthaben, Forderungen und anderen Werten. So sind zu manchen Zeiten Rückgriffe auf Termineinlagen bei Kreditinstituten ohne weiteres möglich – das Kreditinstitut gibt entweder das Guthaben gegen Abrechnung der sonst anfallenden Zinsgutschrift vor dem Fälligkeitstermin frei oder gewährt einen Kredit mit dem Terminguthaben als Sicherheit -; zu anderen Zeiten können sich die Kreditinstitute aber dagegen sträuben und auf Einhaltung der Termine bestehen. Das Abtreten von Forderungen ist zeitweilig leicht, zeitweilig aber auch sehr schwer und manchmal nicht möglich. Ähnliches gilt für die Veräußerung von Wertpapieren oder ihren unmittelbaren Einsatz zur Ausübung von Nachfrage. Dann ist es nicht mehr alleine eine Frage der Betrachtungsweise und der Definition, was als Geld in seiner Kaufkraftfunktion angesehen wird, sondern es hängt auch von der jeweiligen Wirtschaftslage ab, welches Quasi-Geld oder Geldsubstitut die Funktion des Geldes in der Nachfrage nach Gütern und Leistungen ausüben – und wieweit es ausüben – kann.

Das Geld hat neben seiner Funktion als Zahlungsmittel und als Tauschmittel für den Erwerb von Waren und Leistungen noch andere Funktionen. In nationalökonomischen Lehrbüchern wird diese Funktion meist zusammengefasst mit der Funktion als Mittel zur Übertragung von Vermögenswerten. Einige Theoretiker, so vor allem Karl Helferich, unterscheiden zwischen der Funktion als Zahlungsmittel und Tauschmittel. Daneben hat das Geld Funktionen als Rechnungsmittel und als Wertaufbewahrungsmittel. Wilhelm Gerloff hebt weiter die Funktion des Geldes als „soziales Geltungsmittel“ hervor.

Lange Zeit hatte man sich daran gewöhnt, diese verschiedenen Funktionen durch ein einziges Geld ausgeübt zu sehen. Bei der Tauschmittelfunktion wurde meist keinen Unterschied zwischen dem gesetzlichen und dem gebräuchlichen Tauschmittel gemacht, weil das gesetzliche auch das gebräuchliche war. Es werden bei der Betrachtung der Tauschmittelfunktion des Geldes meist auch Vermögensübertragungen den Umsätzen im Warenhandel gleichgestellt. Das Tauschmittel diente zugleich als Rechnungseinheit, weil mit ihm ja die Preise ausgedrückt werden und alles wirtschaftliche Rechnen in Preisen vorgenommen wurde. Wer das Tauschmittel aufbewahrte, bewahrte damit ein Mittel, mit dem er sich zu jeder Zeit andere Werte beschaffen konnte. Er sicherte sich damit, worauf in der neueren Theorie stärker hingewiesen wurde, Liquidität.

Nun werden aber die verschiedenen Funktionen keineswegs immer und überall von einem einzigen Gelde ausgeübt. Und die Inflationen der jüngsten Zeit, die beiden großen Inflationen nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die anhaltende inflatorische Entwicklung seit den sechziger Jahren, lehren wieder, wie diese Funktionen auseinanderfallen können, wie das gesetzliche Geld schließlich fast ganz funktionsunfähig werden kann und seine Funktionen dann auf ein anderes „Geld“ übergehen.

Wenn die Annahme der Sprachforscher zutrifft und das lateinische Wort für Geld „pecunia“ von „pecus“, auf Deutsch „Vieh“, zurückgeht, so zeigt dies, daß bei den alten Römern Rechnungseinheit und Tauschmittel nicht zusammenfielen. Das Vieh, gemeint war damit das Rind, war bei ihnen wie auch bei den Germanen und bis in die neueste Zeit hinein bei vielen afrikanischen Stämmen eine Rechnungseinheit, mit der Vermögen und auch Opfergaben eingeschätzt, „berechnet“ wurden.  Aber das Vieh war kein übliches Tauschmittel; dafür dienen andere Güter. Nur bei bestimmten Anlässen war Vieh ein „Zahlungsmittel“; bei Bußen für schwere Verbrechen, bei Vermögensübertragungen, wie vor allem Mitgift oder beim Brautkauf.

In Zeiten der Münzvielfalt und der Münzverschlechterung bildet das umlaufende Geld keine brauchbare Recheneinheit mehr. Die Wirtschaft benutzt dann anderer Recheneinheiten. Die bekanntesten in der Wirtschaftsgeschichte sind die Banco-Einheiten, mit denen seit Anfang des siebzehnten Jahrhunderts oberitalienische, niederländische und deutsche Banken rechneten und Umsätze abwickelten, So rechnete die 1619 gegründete Hamburger Girobank mit „Banco-Mark“ als den Gegenwert einer bestimmten Menge Feinsilber, ohne daß jemals eine solche Banco-Mark ausgeprägt worden wäre. Die Bank nahm als Einlagen zunächst andere Goldmünzen, später Barrensilber entgegen und rechnete ihren Wert auf Banco-Mark um und verfuhr entsprechend bei Auszahlungen. Es ergab sich dann, daß Kaufleute bei ihren Kalkulationen gleichfalls mit Banco-Mark rechneten und auch Verträge auf diese Rechnungseinheiten abstellten.

In der ersten deutschen Inflation 1923, als die gesetzliche Währung, die Mark, täglich und zuletzt stündlich ihren Wert änderte, gebrauchte die Wirtschaft andere Recheneinheiten. Es wurde zum Teil mit Fremdwährungen gerechnet; vor allem mit dem englischen Pfund und dem US-Dollar; in landwirtschaftlichen Gegenden rechnete man mit der „Roggenmark“; schließlich wurde die „Goldmark“, die nach dem jeweiligen Dollarkurs über die alte Parität 4,20 DM für einen Dollar errechnet wird zur gebräuchlichen Recheneinheit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland das gesetzliche Zahlungsmittel nur noch in beschränktem Umfange verwendet, hauptsächlich auf dem Markt für reglementierte Güter, auf dem gegen Marken oder Bezugsscheinen Waren zu amtlich festgesetzten Preisen zu liefern und zu kaufen waren. Daneben entstanden die Verbrauchermärkte, „schwarze“, verbotene und „graue“, nicht erlaubte aber nicht strikt verbotenen Märkte, auf der sich eine eigene „Währung“, die „Zigaretten-Währung“, herausbildete. Die Zigarette, als einzelne Zigarette für die kleinsten Umsätze oder die „Stange“ Zigaretten, die Sammelpackung von zehn Schachteln zu je zwanzig Zigaretten, wurde als Tauschmittel verwendet; sie war in noch weit größerem Umfange Recheneinheit für Umsätze, bei denen Ware gegen Ware getauscht wurde. Im Warenverkehr zwischen Unternehmen wurde außerhalb des reglementierten Bereichs fast nur Ware gegen Ware getauscht. Als Recheneinheit fungierten dabei Reichsmark-Preise und Dollarpreise, ohne daß aber Zahlungen in diesen Währungen erfolgten.

Im Zuge der inflatorischen Entwicklung der sechziger und siebziger Jahre, in denen der Dollar, der nach dem Zweiten Weltkrieg zur Leitwährung des Weltwährungssystem geworden war, durch Preissteigerungen Wert einbüßte und auch gegenüber anderen Währungen im Kurs sank, sind im internationalen Zahlungsverkehr neue Rechnungseinheiten zur Anwendung gebracht worden. wie vor allem der Kurs des Sonderziehungsrechts des Internationalen Währungs-Fond, der ursprünglich auf einen amtlichen Goldpreis abgestellt war, dann aber als Durchschnittskurs einer Gruppe der wichtigsten internationalen Währungskurse errechnet wurde.

Mit den Wertminderungen des Währungsgeldes ist auch seine Funktion Wertaufbewahrung eingeschränkt. Nun hat Geld im engeren Sinne diese Funktion nur in früheren Zeiten in größeren Umfange ausgeübt, als tatsächlich Geld in erheblichen Mengen zurückgelegt, gehortet wurde. Mit der Entwicklung des Kreditwesens und des Kapitalverkehrs wurden anderen Formen der Rücklage und Anlage bevorzugt, von denen nur Teile in einem sehr weiten Sinn als Geld angesehen werden können. Daneben spielt jedoch die Geldrücklage als Vorsorge für die „Liquidität“, die Sicherung der Zahlungsbereitschaft, eine wichtige Rolle.

Wie immer die Funktionen des Geldes betrachtet und gewertet werden, sie sind nicht für alle Zeiten und alle Bedingungen unabänderlich gegeben, sondern sie wandeln sich in ihrer Wirkungsweise und ihrer Verbindung mit verschiedenen „Geld“-Formen, wenn sich Veränderungen im Wirtschaftsablauf einstellen. Geld und Geldfunktionen stehen mit der gesamten Wirtschaft, ja dem gesamten gesellschaftlichen Dasein in einem „einheitlichen Ineinander“, um einen Ausdruck Georg Simmels zu gebrauchen, den er allerdings in einem anderen Zusammenhang verwendet.
Das Geld und die Vorgänge im Geldwesen lassen sich nur in ihrem Zusammenhang, ihrer Verknüpfung mit der Gesamtheit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgänge verstehen. Oft gehen vom Gelde starke Einwirkungen auf andere Vorgänge aus. Aber ebenso oft oder noch häufiger kommen im Geldwesen nur die Wirkungen anderer, stärkerer Kräfte zum Ausdruck.