Nur Worte

Das Unentbehrlichste hat sich noch einbetten lassen. Ich musste es tun. Ich lasse mich von der Wirklichkeit nicht beschämen … Und dennoch, sie ist besser als ich. In dieser Welt aus Nennern und Zählern besteht, würde der Bericht schon stärker sein als die Satire, wenn er ihr pflichtgemäß voranginge. Er ist ja doch stärker als die Realität selbst, es gibt keine andere außer der seinen, es gibt nur noch die, die er erschafft. Wir zählen nur, wenn die Nenner uns nennen. Sie haben uns dividiert. Die Welt ist nur ein Bruch, ein gemeiner Bruch. Der Bericht ist die Realität, und darum muss auch die Satire vom Bericht beschämt werden. Sie hat nichts mehr zu tun, als jenen, die nur lesen, aber noch nicht sehen, den Bericht übersichtlich zu machen.

Ihre höchste Stilleistung ist die grafische Anordnung.

Die erfindende Satire hat hienieden nichts mehr zu suchen. Es gibt nichts zu erfinden. Was noch nicht da ist, kommt morgen. Abwarten! Wenn die Satire sich übernimmt, wenn sie ungeduldig wird und glaubt, in dieser übervollen Realität noch etwas ausfüllen zu müssen, so geschieht ihr recht, wenn die Realität ihr über den Kopf wächst und mit einem satanischen Ausdruck, dessen die Satire nicht fähig wäre, ihr ins Ohr lacht: Guck guck! Bin schon da!   

Lionardo da Vinci: Prophezeiung

Wesen werden sein auf Erden, die werden ewig streiten, das eine wider das andere, mit sehr großem Schaden und häufigem Tod auf jeder Seite. Jene werden keine Grenzen setzen ihrer Bosheit; mit ihren rasenden Gliedern wird ein groß Teil der Bäume von der Erde unermeßlichen Wäldern nieder gemacht; und so sie sich mit Nahrung vollgesättigt haben, soll es ihre Lust erfreuen, auszuteilen Tod, Kümmernis, Mühsal, Schrecken und Verbannung jeglichem Ding des Lebens. Und vermöge ihrer grenzenlosen Hoffahrt wird es sie gelüsten gen Himmel aufzusteigen; doch das Übermaß von ihrer Glieder Gewicht wird sie niederhalten. Nichts wird bleiben auf Erden, noch unter ihr, noch in den Gewässern, das nicht wäre verfolgt und beunruhigt noch vernichtet worden, und das was in einem Lande, weggeschleppt in ein anderes; und ihre eigenen Leiber werden Grab sein und Durchgang aller lebendiger Leiber, die sie getötet. O Erde! Was zögerst du noch dich aufzutun und sie zu stürzen kopfüber in die tiefen Klüfte deiner gewaltigen Abgründe und Schlünde, daß nicht länger sich ein Scheusal, so grausam und so erbarmungslos, im Angesicht des Himmels spreizen dürfe!

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