Mar 1, 2010
..daß Ironie sich mit dem Göttlichen berührt und ein Diener ist der Wahrheit
Es gibt einen letzten Gebrauch, oder vielmehr einen letzten Aspekt der Ironie, welcher uns diese allgemeine Ironie der Natur und ihres Gottes zu Bewußtsein führt: Ich meine jene Ironie, die nur dann in der Literatur eines Landes auftreten kann, wenn die Korruption so weit fortgeschritten ist, daß die bloße Wahrheit allein schon von ironischer Kraft vibriert.
Denn es kommt eine Zeit – sie ist kurz, wie es alle Schlußmomente des Verfalls sein müssen – es eine Zeit in dem moralischen Zusammenbruch eines Staates, wo die bloße Äußerung einer offensichtlichen Wahrheit – die hastig verborgen wird von der Heuchelei, geleugnet wird von der zeitgenössischen Falschheit, vergessen ist in der moralischen Lethargie der Bevölkerung – wo sie, die Wahrheit, von selbst eine ironische Qualität annimmt, welche gewaltiger ist, als alle Gestaltung von Spezial-Ironien in der Vergangenheit je hätte sein können.
Irgendeine Wahrheit, die allzusehr beiseite geschoben wurde, und nun ruhig vorgebracht wird, irgendein Detail in der allgemeinen Erörterung über einen mächtigen Mann: – stößt, in solchen Gesellschaften, plötzlich zu wie die Spitze eines scharfen Speeres. Blut fließt: und dieses Blut hat die Ironie gezapft.
Und doch gab es hier keine Tat, noch irgendeine Textur von Worten. Das bloße Zeugnis der Wahrheit genügte: und eben das sollte dartun, daß Ironie sich mit dem Göttlichen berührt und ein Diener ist der Wahrheit.
In solchen furchtbaren Momenten der Geschichte eines Staates, ist der, der den schrecklichen Spott macht, nicht der Spottende, sondern das ewige Prinzip der Wahrheit selbst. Das was verspottet wird, ist das gesamte Gewerbe der Gesellschaft, auf die diese Wahrheit fällt und als Zuhörerschaft, als jene dritte Person, die den Spott auf Kosten der zweiten wahrnimmt, ist niemand geringerer anwesend als jene Kraft, dank der die Wahrheit solch eine Wirkung auf die Menschen hat.